Change beginnt mit Vorbildern: Deswegen hat Ferry Heilemann vor zwei Jahren die Initiative Leaders for Climate Action gegründet. Gemeinsam verfolgen sie Lösungsansätze für mehr Nachhaltigkeit, für noch größeren Impact auf den Klimaschutz. Welche Macht Digitalisierung in diesem Zusammenhang besitzt und wie Bau- und Immobilienunternehmen davon profitieren können, hat er live mit der Alascon Community geteilt. Das Gespräch zwischen Ferry Heilemann und Sebastian Schuon, Gründer von Alasco, als Video und ausgewählte Fragen aus dem Q&A und gibt es in diesem Beitrag zu sehen und zu lesen. In diesem Alascon Talk drehte sich alles um die Fragen:

  • Welche Rolle spielt Digitalisierung in der nachhaltigen Transformation der Immobilienindustrie?

  • Was kann die Bau- und Immobilienindustrie von anderen Branchen lernen?

  • Welche gesellschaftlichen Veränderungen sind notwenig?

Innovationen folgen: Digitale Lösungen für die Bau- und Immobilienindustrie

Zu wie viel Prozent kann ein Gebäude heute schon sustainable gebaut werden? 

Ferry Heilemann: Wenn ich an ein Gebäude denke, sehe ich zwei Ebenen. Zunächst einmal die Höhe der Emissionen für den Bau selbst. Hier kann man aus meiner Sicht schon sehr gut wirtschaften, indem man beispielsweise nachhaltige Baustoffe wie Holz verwendet. Die zweite Frage ist, wie viel kostet mich der Betrieb des Gebäudes, das Heizen, das Beleuchten, etc. Passivhäuser gibt es ja beispielsweise schon lange, das heißt auf der Verbrauchsebene kann es gelingen, bei 0 zu landen. In Bereich des Bauens ist ein großer Treiber der Baustoff und natürlich auch die Frage: Woher kommt der Rohstoff? Nutzt man beispielsweise Local Sourcing, d.h. Produkte die nur einen kurzen Weg zurücklegen, dann kann man hier auch im Bau schon sehr klimafreundlich unterwegs sein. 

Was hältst Du von „Freikaufen“ beispielsweise durch Zertifikate?

Ferry Heilemann: Die erste Priorität muss immer das Reduzieren von Emissionen sein, nur so werden wir die Klimaziele erreichen. Dennoch ist es aktuell praktisch unmöglich ohne Emissionen zu wirtschaften und  zu leben, da unsere Wirtschaft immer noch größtenteils auf Energie aus fossilen Brennstoffen basiert. Deswegen ist es definitiv hilfreich parallel zu Reduktionsmaßnahmen, welche sich ja auch nicht von heute auf morgen umsetzen lassen, auch CO2 Zertifikate zu kaufen, um Emissionen zu kompensieren.

„Die erste Priorität muss immer das Reduzieren von Emissionen sein, nur so werden wir die Klimaziele erreichen.“

Wichtig ist, dass die Zertifikate dem „Gold Standard“ oder dem „VCS“ (Verified Carbon Standard) entsprechen und die „Zusätzlichkeit“ erfüllen. Anbieter wie bspw. Atmosfair, MyClimate oder KlimaKollekte für Privatkunden und ClimatePartner oder Planetly im Geschäftskundenbereich kann ich generell empfehlen.

Nach vorne schauen: Nachhaltigkeit als Wettbewerbsfaktor

Welche Branche sollten wir uns als Bau- und Immobilienbranche hinsichtlich Nachhaltigkeit zum Vorbild nehmen?

Ferry Heilemann: Ad-hoc würde ich sagen, lasst uns die Digitalbranche nehmen. Das aber nur weil ich die Digitalbranche am besten kenne. Es gibt auch in der Bau- und Immobilienbranche bereits Unternehmen, die das Thema Digitalisierung und damit auch das Thema Nachhaltigkeit vorantreiben. Ich denke beispielsweise an die Themen Schnittstellenmanagement, Informationsmanagement und Finanzmanagement, da fallen mir natürlich Startups ein wie beispielsweise Alasco oder Capmo.

Wie groß ist die Bereitschaft für nachhaltig gebauten Wohnraum mehr zu bezahlen?

„Es wird immer schwieriger Top Talente zu gewinnen, wenn man dieses Thema ausblendet.“

Ferry Heilemann: Zum Wohnungsmarkt habe ich keine konkreten Studien zur Hand. Das Thema Nachhaltigkeit hat jedoch insgesamt über die letzten eineinhalb Jahre einen massiven Schub nach vorne gemacht. Und ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Eine Studie besagt, dass Konsumenten für nachhaltige Produkte eine erhöhte Zahlungsbereitschaft von plus 5 %  haben. Der Trend ist also heute schon gegeben.

Aus meiner Sicht wird das Thema Nachhaltigkeit der nächste Megatrend. Es wird schneller gehen als man denkt. Es bleibt nicht beim “can do”, sondern wird ein “must have”, um auch künftig als Unternehmen bestehen zu können. Eine Studie macht deutlich, warum es auch aus unternehmerischer Sicht sinnvoll ist, Climate Action zu verfolgen: Für über 60 Prozent der Mitarbeiter spielt es eine Rolle, welche Position ihr Arbeitgeber zum Thema Klimaschutz vertritt. Es wird immer schwieriger Top Talente zu gewinnen, wenn man dieses Thema ausblendet.

Als Vorreiter vorangehen: Change & Leadership

Was zeichnet die Leaders for Climate Action Community aus? 

Ferry Heilemann: Wir arbeiten mit Companys ab 40, 50 Mitarbeitern. Im Anmeldeprozess muss zunächst der CEO seinen Carbon-Footprint messen und kompensieren. Neben dem CEO wird ein Mitarbeiter für die operative Umsetzung in der Company bestimmt. Gemeinsam beginnen wir einen Prozess, in dem wir die Firma auf ihrer Climate Action Journey unterstützen. Wir haben Guidelines entwickelt, sowohl für Privatpersonen als auch Firmen, mit denen sie ihren Footprint reduzieren können. 

„Der größte Hebel im Privaten, den wir in einem Land wie Deutschland haben, ist die Mobilität.“

Gleichzeitig haben wir Partnerschaften mit Beratungsfirmen, die auch zur professionellen Beratung beispielsweise der nachhaltigen Produktion hinzugezogen werden können. Wichtig ist auch der persönliche Austausch: Einmal im Quartal finden Community-Events mit Speakern aus der Wissenschaft, teilweise aus NGO-Projekten statt. Gleichzeitig tauschen wir uns in der Slack Community aus, teilen Best Practices und verfolgen gemeinsam den Progress. 

Wie kann ich privat etwas beitragen?

Ferry Heilemann: Man sollte sich fragen: Was hat eigentlich den größten Impact? Konsum ist definitiv ein Thema. Ich kann das Thema Ernährung angehen, genauso kann es einen Impact haben, wenn ich von Ölheizung zu einer Wärmepumpe wechsle. Jedoch den größten Hebel, den wir in einem Land wie Deutschland haben, ist das Thema Mobilität. Der durchschnittliche Footprint von einem Deutschen umfasst circa zehn Tonnen. Wenn ich einmal von Frankfurt nach San Francisco hin- und zurückfliege, lande ich schon bei 4,7 Tonnen CO2. In der Business Class sogar bei acht Tonnen für einmal hin- und herfliegen. Auch wenn dieses Wissen mitunter schmerzlich ist im Privaten. Insbesondere im Business hat gerade Corona perfekt gezeigt, dass man sehr viel bewegen kann und auch Geschäfte machen kann, ohne das Auto oder Flugzeug zu nutzen. Das ist auf jeden Fall eine signifikanter Hebel. 

Alle Sessions der Alascon machten deutlich, warum wir keine Sekunde zögern sollten, die digitale Transformation der Bau- und Immobilienbranche voranzutreiben. Die Kernaussagen aller 30 SpeakerInnen an Tag 1, Tag 2 und Tag 3 haben wir auf dem Blog zusammengefasst. Jetzt Teil unserer Alascon Community auf LinkedIn werden, Fragen an die SpeakerInnen stellen und sich mit anderen TeilnehmerInnen vernetzen.

Jetzt als Vorreiter für Nachhaltigkeit in der Immobilienbranche vorangehen? Wir freuen uns auf den persönlichen Austausch.

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