Alascon 2021: Next Generation Real Estate – Erwartungen & Motivation von Young Professionals

Der jungen, nächsten Generation gehört die Zukunft – dies gilt auch für die Bau- und Immobilienbranche. Um eine Veränderung zu bewirken und die Immobilienbranche voranzutreiben, benötigt es ein offenes Mindset, Mut und Verantwortung. All diese Eigenschaften besitzen Young Professionals. Was die junge Generation antreibt, welche Vorstellungen und Erwartungen sie an einen Arbeitgeber haben und welche Themen besonders für die Zukunft relevant sind, schildern Anna Wabitsch (Studentin – Universität Regensburg, IRE|BS), Eva-Maria Ullrich (Real Estate Consultant – BRAND BERGER real estate consulting) sowie Theresa Beyerling (​​Customer Success Managerin – Alasco) im Interview auf der Alascon 2021

Wie sind die Einstiegschancen nach dem Studium in der Bau- und Immobilienbranche? Wie sieht der aktuelle Arbeitsmarkt aus?

Anna: “Derzeit ist die Lage des Arbeitsmarktes in der Bau- und Immobilienbranche für Studierende sehr positiv. Viele Arbeitgeber:innen suchen nach qualifizierten Young Professionals. Um einen Überblick darüber zu bekommen, erhalten wir wöchentlich von der Universität eine Zusammenfassung, welche Stellenangebote aktuell ausgeschrieben sind. Das ist sehr interessant, da ich viele Unternehmen bzw. Jobpositionen gar nicht im Kopf habe, wie beispielsweise die Nischenbereiche Digitalisierung oder Nachhaltigkeit. Vorteilhaft ist, dass die Unternehmen proaktiv auf uns Studierende zugehen, wie beispielsweise über LinkedIn.”  

Welche Kriterien sind ausschlaggebend für die Arbeitgeberwahl? 

Theresa: “Wichtig sind mir zum Einen spannende Projekte, bei denen ich Erfahrungen sammeln kann. Und zum Anderen steht für mich die persönliche Weiterentwicklung auch im Fokus, d.h. ich möchte einen Arbeitgeber, der mich wertschätzt, mir Feedback gibt und Fortbildungsmöglichkeiten anbietet. Der Arbeitgeber soll mir mit seiner Vision zeigen, wo die Reise lang geht. Neben diesen Aspekten ist natürlich das Arbeitsklima relevant sowie die Zusammenarbeit mit den Kollegen (“Wir”-Gefühl).”

Eva-Maria: “Für mich ist ein familiäres Umfeld ausschlaggebend. Das schätze ich auch sehr an meinem jetzigen Arbeitgeber. Wir kennen uns alle untereinander und im Fokus steht der Mensch. So werden auch private Themen stets berücksichtigt.”

Anna: “Meiner Meinung nach sind ein gutes Team und Weiterbildungsmöglichkeiten inzwischen Grundvoraussetzungen, welche der Arbeitgeber erfüllen muss. Neben diesen Aspekten ist mir vor allem die Vielseitigkeit im Job wichtig. Ich möchte auch die Möglichkeit haben in andere Bereiche zu schauen, um somit mehr von der Firma kennenzulernen.”

COVID-19 hat einiges in der Arbeitswelt auf den Kopf gestellt- haben sich eure Vorstellungen, die einen Arbeitgeber erfüllen muss, dadurch geändert? 

Eva-Maria: “Aufgrund der aktuellen Lage ist Homeoffice immer präsenter geworden. Das bringt viele Vorteile mit sich, wie beispielsweise ortsunabhängiges Arbeiten. Dies ist in meiner Arbeit, wenn ich auf Kundenreisen bin, essentiell. Wenn ich vor Ort bin, gehe ich jedoch auch gerne ins Büro. Ich denke die Mischung von Büro und Remote-Arbeiten macht es aus.”

Anna: “Meiner Meinung nach ist seit der Corona-Situation Homeoffice eine Grundvoraussetzung. Wichtig finde ich es hierbei auch, dass der persönliche Austausch nicht verloren geht. Um überhaupt Remote-Arbeiten zu gewährleisten, benötigt man das passende Equipment. Die sollte der Arbeitgeber zur Verfügung stellen.”

Was war deine Motivation Real Estate Consultant zu werden? Welche Ratschläge würdest du Young Professionals mitgeben, die am Anfang ihrer beruflichen Karriere als “Real Estate Consultant” stehen?

Eva-Maria: “Ich habe über einen Job-Newsletter die Position bei BRAND BERGER gesehen. Daraufhin habe ich mich für ein Praktikum beworben. Nach dem Bachelor wollte ich dann eigentlich zurück nach Regensburg, um meinen Master zu beginnen. Mir hat die Arbeit jedoch so viel Spaß gemacht, dass ich direkt dort geblieben bin und nun seit vier Jahren “Real Estate Consultant” bin. Ich denke man muss als junger Mensch die Motivation sowie das Vertrauen in sich selbst haben, etwas in der Immobilienbranche zu bewirken. Und sobald man bewiesen hat, dass man etwas kann, wird man automatisch wertgeschätzt. Natürlich lernt man dies über die Berufsjahre hinweg immer mehr. Das verstärkt automatisch das Selbstbewusstsein.”

Der Beruf “Customer Success Managerin” ist sehr softwarelastig – welche Motivation steckt hinter deinem beruflichen Werdegang Theresa? Was gefällt dir an deinem Job besonders gut?

Theresa: “Die größte Motivation für meine Berufsentscheidung ist natürlich, dass mir die Bau- und Immobilienbranche sehr am Herzen liegt. Es ist sehr viel Potenzial da, um die Bauprozesse zu optimieren und das macht mir auch gerade so Spaß. Ich möchte etwas bewirken und Neues schaffen. Wir packen Zukunftsthemen an und arbeiten aktiv daran, die Digitalisierung voranzutreiben, sowohl intern bei Alasco als auch extern bei unseren Kunden. Meine Aufgabe ist es, die Kunden bei digitalen Herausforderungen optimal zu unterstützen und ihnen auch wirklich langfristig den Mehrwert von Digitalisierung zu zeigen und natürlich auch umzusetzen. An meinem Job macht mir besonders das gemeinsame Arbeiten in meinem Team viel Spaß. Ich lerne jeden Tag etwas dazu und erhalte neue Eindrücke. Durch die Arbeit als “Customer Success Managerin” sehe ich wo die Problempunkte bei den Kunden liegen und kann ihnen aktiv dabei helfen, diese zu lösen. Besonders schön finde ich die agile Arbeitsweise in meinem Job. Wir tauschen uns jeden Tag im Team aus und wird ein Fehler gemacht, sehen wir dies als gemeinsames Learning. Wie die Praxis aussehen wird, war mir vorher nicht so bewusst. Ich bin bisher jedoch sehr positiv überzeugt davon.”

Ein Vorurteil ist, dass die Immobilienbranche sehr männerlastig ist – ist es eine Herausforderung für Frauen in der Branche zu arbeiten?

Eva-Maria: “Ich finde es wahnsinnig toll, dass in diesem Panel drei Frauen sitzen. Das ist oft noch untypisch in der Baubranche. Leider ist das Vorurteil, dass nur Männer in dem Bereich arbeiten auch immer noch sehr präsent. Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass man sich einfach trauen muss. Es kann schon mal ein Hindernis sein, auf einer Baustelle als junge Frau, Ernst genommen zu werden. Sobald man jedoch die Verantwortung übernimmt und zeigt,  welche Qualifikationen man besitzt, ist dies kein Problem mehr. Das Klischee, dass Frauen auf einer Baustelle nichts zu suchen haben, muss aus den Köpfen der Menschen raus. Aber wir sind auf einem guten Weg und dementsprechend sehe ich hier kein Problem, da sich die Branche sowieso im Wandel befindet.”

Welche Erwartungen hattet ihr während des Studiums? Gibt es eine Möglichkeit die Lücke zwischen Theorie und Praxis besser zu füllen?

Eva-Maria: “Das Studium “Immobilienwirtschaft” ist zwar sehr theoretisch, jedoch lernt man das Grundwissen und die Prozesse zu dieser komplexen Branche kennen. Dies ist essentiell, um später einen Beruf in diesem Sektor auszuüben. Somit wurde es meinen Vorstellungen gerecht.”

Anna: “Ein Master dauert ca. zwei Jahre, d.h. über vier Semester hinweg ist dies einiges an Know-How, was ein Studierender erlernt. Da jedes Unternehmen individuell und unterschiedlich arbeitet, kann man sein Wissen aus dem Studium nicht direkt anwenden. Theorien und Modelle können als Grundlage verwendet werden, jedoch muss jedes Unternehmen seinen eigenen Weg finden. Wichtig ist für mich, dass der Arbeitgeber uns Neueinsteigern hilft, das nötige Know-How zu erlernen und auch Rücksicht nimmt, dass man noch nicht alles auf Anhieb weiß. Aber auch als frischer Berufseinsteiger:in muss man sich dennoch bewusst sein, dass nicht alles Erlernte aus dem Studium sofort angewendet werden kann. Ein offenes Mindset sowie Geduld sind Voraussetzungen, die man nach dem Abschluss als Studierender mitbringen sollte.” 

Macht ein klassisches Real Estate Studium aktuell noch Sinn bei der ganzen Disruption durch Proptechs?

Anna: “Ja das macht auf jeden Fall Sinn. Man lernt die Basics des Immobiliengeschäfts kennen. Auch wenn man im Proptech-Bereich erfolgreich sein will, muss man die Standards kennen und sich in die Zeit von Früher zurückversetzen können. Dies ist nur durch Erlernen der Theorie und Grundlagen möglich.”

Theresa: “Da stimme ich zu. Ich bin sehr froh die technischen Grundlagen kennengelernt zu haben. Wenn ich mit Kunden rede, weiß ich sofort was gemeint ist (Wie wird das Haus gebaut?, Aus welchem Material besteht beispielsweise die Wand?). Alles aus dem Studium benötige ich nicht in der Praxis (z.B. das Berechnen einer Schweißnaht). Meiner Meinung nach ist das grundsätzliche Erlernen von Lernen für die persönliche Entwicklung relevant. Besonders gut gefallen haben mir Vorträge von Gastdozenten im Studium. Das war sehr abwechslungsreich und spannend.”

Welche Trends seht ihr in der Immobilienbranche und für welche interessiert ihr euch besonders?

Theresa: “Ich interessiere mich besonders für das Thema “Nachhaltige Entwicklung” – dies war auch mein Schwerpunkt im Studium. Ich möchte in diesem Bereich die Zusammenhänge verstehen und die Brücke zwischen “Wirtschaftlichkeit einer Immobilie” und “Nachhaltige Entwicklung” schaffen. Um diese Themen zu kombinieren, bekommt die Digitalisierung natürlich auch eine besondere Rolle. Alle Themen sind eng miteinander verknüpft und können nicht einzeln betrachtet werden.”

Anna: “Mich interessiert ebenfalls besonders das Thema “Nachhaltigkeit”. Ich finde es schön zu sehen, dass sich endlich etwas ändert und Unternehmen die Relevanz von Digitalisierung und Nachhaltigkeit erkennen und diese vorantreiben. Im Begriff “ESG” befindet sich nicht nur der Begriff “Environment”, sondern auch das S für “Social”. Ich finde es ist wichtig, beispielsweise beim Bau einer Immobilie, auch auf die Menschen und das Soziale in der Stadt zu blicken.”

Eva-Maria: “Schaut man sich Alasco an, finde ich den Fortschritt des Systems wahnsinnig interessant. Endlich weg von Excel-Tabellen hin zum digitalen Arbeiten. Genau diese Art von Digitalisierung möchte ich vorantreiben. Hier ist vor allem die Rolle als Projektmanager:in relevant, da diese:r die Bauherren in die richtige Richtung lenken kann und als Vorbild der Digitalisierung dient.” 

Gibt die Immobilienbranche den nötigen Raum dafür, dass Young Professionals den Weg vorgeben – auch gegenüber der “älteren” Generation?

Eva-Maria: “Die Themen Digitalisierung und Nachhaltigkeit werden immer wichtiger. Die Bewegung “Fridays for future” wird beispielsweise auch von jungen Leuten ausgerichtet. Letztendlich ist dies sinnvoll, da wir in Zukunft am stärksten vom Klimawandel betroffen sind. Die nächste Generation ist motiviert und ehrgeizig und daher denke ich, dass wir einen Wandel schaffen.”

Theresa: “Unsere Aufgabe ist es, das Potenzial von Digitalisierung sichtbarer zu machen und das verantwortungsbewusste Handeln zu fördern. Durch die ordentliche Sammlung von relevanten Daten kann bereits jetzt eine Basis geschaffen werden, um zukünftig nachhaltiges und kosteneffizientes Bauen zu ermöglichen. Durch die Transparenz in einem digitalisierten System können verschiedene Bauprojekte miteinander verglichen werden und dementsprechend besser handeln. Und genau bei diesem Effort möchte ich mitwirken.”

Was wird der größte Einflussfaktor in den nächsten Jahren in der Immobilienbranche sein? 

Anna: “Auf jeden Fall das Thema “Nachhaltigkeit”. Wenn dann noch jeder versteht, dass die Thematik eng mit der Digitalisierung zusammenhängt, dann kann man hier ganz viel schaffen. Ich denke, dass man gezielt die Thematik in dieser Branche kommunizieren muss. Beispielsweise tangiert die einen Mitarbeiter auf den Bau nicht direkt. Woher soll dieser also wissen, welchen Vorteil er durch Digitalisierung hat. Umso wichtiger ist es, ein allgemeines Wissen zu schaffen und dieses Know-How so gut es geht zu verbreiten, z.B. über soziale Medien.”  

Was versteht ihr unter dem Begriff “Nachhaltigkeit”? Wie steht ihr zum Thema “Rohstoff Holz als Baumaterial”?

Theresa: “Bezieht man das Thema “Nachhaltigkeit” auf die Bau- und Immobilienbranche, verstehe ich darunter, dass man sich die Ressourcen beim Bau einer Immobilie ansehen muss. Man muss sich Fragen stellen wie: Woher kommt meine Ressource? oder Welche Materialien werden eingesetzt?. Zudem ist es wichtig zu analysieren, ob es Möglichkeiten gibt, Energien sinnvoller zu nutzen (z.B. Heiz- und Kühlungssystem). Doch das Thema Nachhaltigkeit ist natürlich sehr vielfältig. Ein weiterer Bereich, den man betrachten kann, ist das Recyceln von Müll auf der Baustelle: Gibt es Materialien oder Baustoffe, die ich wiederverwenden kann? Kann ich eine Immobilie renovieren, anstatt diese komplett abzureißen und etwas Neues zu bauen? Ich hoffe, dass ich in den nächsten Jahren ganz viele Holz-Bauaufträge in Alasco sehen kann.”

Eva-Maria: “Neben den Punkten, die Theresa bereits erwähnt hat, kann man sich vielleicht noch den Betrieb von einer Immobilie ansehen: Wie nachhaltig sind die Reinigungsprodukte, die ich verwende oder welchen Müll kann ich auf der Baustelle vermeiden? Nachhaltiger ist ja auch der Rohstoff Holz. Wir haben beispielsweise ein Projekt am Laufen, wo konkret geplant ist, Holz zu verwenden. Diese Bauweise ist mit sehr hohen Kosten verbunden und dementsprechend sind viele oft noch kritisch dem gegenüber und gehen ungern das Risiko ein. Ich hoffe jedoch, dass dies in Zukunft sich in unserer Gesellschaft etablieren wird. Nun wurden auch Erleichterungen seitens des Baurechts verkündet, sodass es den Bauherren auch leichter in der Umsetzung gemacht wird.” 

Anna: “Neben den allgemeinen Aspekten finde ich auch die persönliche Meinung in Bezug auf nachhaltiger Leben sehr wichtig, d.h. was kann ich als individueller Mensch vielleicht besser machen (z.B. Müll trennen, weniger Fleisch konsumieren etc.). Meiner Meinung nach, kann durch die Kombination aus individuellen, umweltfreundlichen Handeln und der Überzeugung von nachhaltigen Wirtschaften in Unternehmen, dauerhaft eine Veränderung stattfinden.”

Talk verpasst ? – Kein Problem: Hier geht’s zum Video:

2022-02-10T17:26:07+01:00
Nach oben