Es ist kein Geheimnis, dass die Bau- und Immobilienbranche einen großen Nachholbedarf hat, wenn es um die Themen Digitalisierung und Nachhaltigkeit geht. Um einen besseren Überblick zu bekommen, vergleicht die Studie ‚Digital Leaders in Real Estate‘ die Sichtweisen von etablierten Unternehmen der Immobilienwirtschaft und PropTechs. Ziel der Studie ist es den digitalen Fortschritt in der Immobilienbranche voranzutreiben sowie eine gemeinsame Sprache zu entwickeln und somit Barrieren abzubauen. Die 2021 veröffentlichte Studie zeigt, welchen Herausforderungen PropTechs gegenüber stehen, wie hoch die Akzeptanz bei Immobilienunternehmen ist PropTech Lösungen einzusetzen und welchen Mehrwert PropTech-Lösungen für Unternehmen bieten. Auf der Alascon 2021 präsentieren Prof. Dr. Verena Rock MRICS und Sarah Maria Schlesinger die Ergebnisse der Studie, welche im folgenden genauer beleuchtet werden. In der anschließenden Panel-Diskussion wurden bereits zwei digitale Vorreiter der Branche, Daniel Paul (Incept) und Khaled Shukri (Kintyre), interviewt und befragt, wie man zum digitalen Frontrunner in der Real Estate Branche wird und wie ihre Meinung zu  PropTech-Lösungen ist. 

Die Ergebnisse der ‘Digital Leaders Real Estate’ – Studie 2021

Insgesamt nahmen 86 Immobilienunternehmen, von kleinen- bis hin zu großen Unternehmen, an der Studie teil. Die befragten Teilnehmer wiesen alle eine hohe Expertise sowie Berufserfahrung auf (gemessen am Unternehmensalter sowie Fachposition). Überwiegend sind die Unternehmen in den Bereichen Asset- und/oder Investment Management, Projektentwicklung oder Property Management tätig. Anhand sechs übergeordneter Kategorien wurden die Teilnehmenden befragt und somit auch die Studieninhalte erstellt. Diese sind:

  • Stand der Digitalisierung – auf welchem Stand ist die Digitalisierung in der Immobilienbranche im deutschen Markt
  • Markteinschätzung – wie ist die Markteinschätzung der digitalen Leaders bezüglich PropTech Lösungen
  • Herausforderungen – welchen Herausforderungen stehen PropTechs im deutschen Markt gegenüber
  • Kooperationen – Wie hoch ist die Kooperationsbereitschaft von Unternehmen mit PropTechs
  • VC-Investorensicht – wie ist die Investorensicht auf PropTechs und relevante KPIs
  • ESG – wie ist der Stand bzgl. ESG und dem damit verbundenen Digitalisierungsdruck

Markteinschätzung

60,5 % der Befragten geben, im Vergleich zum Jahr 2020,ein gesteigertes Interesse bei der Beauftragung von PropTech Lösungen an. Zudem sehen fast 96 % der befragten Digital Leaders ein mittleres bis hohes Wachstumspotenzial für PropTechs (mehr als PropTechs selbst – 91,4 %).

Herausforderungen

94 % der Digital Leaders sehen den Zugang zu Daten als größte Hürde beim Markteintritt für PropTechs. Eine weitere Herausforderung ist die mangelnde Kenntnis über Vorteile von PropTech Lösungen. Dies sehen auch über 90% der befragten Teilnehmer.

Stand der Digitalisierung

Die Studie zeigt, dass die Corona Pandemie zu einem erhöhten Druck auf die Immobilienbranche bzgl. Digitalisierung führte. Ca. 98% der Digital Leaders sehen die Digitalisierung als eine der höchsten Prioritäten in der Entwicklung ihres Unternehmens an.

Kooperationen

Ca. 58% der Immobilienunternehmen sehen die Kooperation zu PropTechs als ausbaufähig an. Die häufigste Kooperationsform sind strategische Partnerschaften (über 90%). Eines der größten Probleme bei Kooperationen sind unterschiedliche Unternehmensstrukturen und komplexe Lösungen.

VC-Investorensicht

Der wichtigste Faktor für ein Investment ist das Gründerteam. Hierbei stehen wirklich die soften Faktoren im Fokus – das Team sollte Motivation und Leidenschaft sowie komplementäre Fähigkeiten aufweisen. Genauso wichtig ist ein starkes Geschäftsmodell hinter dem Team sowie die Value Proposition und die potenzielle Kundenbasis.

ESG

80 % der Digital Leader sehen ESG als einen Treiber für Veränderung, welches das Fortschreiten der Digitalisierung als positiven Nebeneffekt mit sich bringt. 69% der Befragten sehen ESG als Akzelerator für die digitale Transformation.

7 Fragen – 7 Antworten: wie wird man ein digitaler Frontrunner?

Daniel Paul: COVID war nicht direkt ein Treiber, jedoch ein Beschleuniger. Incept hat jedoch bereits vor Corona mit der Digitalisierung im gesamten Unternehmen begonnen. Es wurden Windows Komponenten, wie Office 365, SharePoint etc. eingeführt. Dies half uns enorm in der Pandemie normal weiterzuarbeiten aus dem Homeoffice. Ein ausschlaggebender Punkt für die Digitalisierung bei Incept war der Aspekt Transparenz im Unternehmen. Wir haben viele Projekte und müssen somit immer alles im Blick behalten, seien es Kosten oder Prozesse. Das Thema ESG war bei uns nicht direkt ein Treiber. Wir schätzen jedoch die nachhaltige Bauweise sehr und stehen dahinter.

Khaled Shukri: Hierbei kann ich mich anschließen. Wir hatten auch das Glück, dass wir bereits vor der Pandemie vieles im Unternehmen digitalisiert haben. Daher hatte Kintyre auch keine Probleme die Mitarbeiter ins Homeoffice zu schicken. Corona war daher kein direkter Treiber, jedoch hat die Situation für mehr Akzeptanz bzgl. Digitalisierung gesorgt. Das Unternehmen und die Mitarbeiter sind offener gegenüber Digitalisierung und PropTech-Lösungen. Im operativen Arbeiten bemerkt man auch, wie wichtig Digitalisierung in den Projekten ist. Daten müssen einfach gehandhabt werden und Systeme müssen miteinander verknüpft werden. Das Thema ESG ist bei Kintyre ebenfalls ein wichtiger Faktor und hat einen hohen Stellenwert im Unternehmen. Seit März 2021 sind wir Teil der ECORE.

Daniel Paul: Grundsätzlich ist die Entscheidung eine PropTech Lösung einzuführen das Bedürfnis vom Management. Es wird mehr Transparenz beispielsweise auf Kostenseite benötigt. Anschließend wird nach etablierten, geeigneten Lösungen gesucht. Wir haben uns hier erstmals nicht direkt auf PropTech Lösungen eingeschränkt. Wir haben einige Lösungen dann miteinander verglichen und geschaut, welche für uns am Besten geeignet ist. Die Lösung wurde dann im Assessment vorgestellt und auch den zukünftigen Key-Usern vorgestellt. In unserem Fall hat die Kostencontrolling Software Alasco gewonnen. Diese haben wir nun seit einem Jahr im Einsatz. Um eine neue PropTech Lösung einzuführen, müssen natürlich alle Stakeholder abgeholt werden und relevante Fragen müssen beantwortet werden, wie beispielsweise Wer ist betroffen, Wie führe ich die Software ein, Wer wird geschult. Da wir Alasco in der Pandemie-Zeit eingeführt haben, war dies online gar nicht so leicht. Als Learning können wir hier bereits sagen, dass das Schulen von neuer Software live besser und leichter funktioniert wie remote. Mit umfangreicher Planung, Pilotphasen und Preisanpassungen steht jedoch der Einführung einer digitalisierten Lösung nichts im Wege.

Khaled Shukri: Bei Kintyre ist die Einführung einer neuen Lösung nach dem Bottom Up Prinzip. Wir haben ein konkretes Problem und versuchen eine Lösung zu finden, um dieses zu beseitigen. So sind die Kooperationen mit PropTechs dann letztendlich entstanden. Eine neue Lösung muss natürlich intern sowohl das Management als auch die Key-User überzeugen. Zudem muss die Lösung einen Mehrwert für das Unternehmen bieten und Vorteile mit sich bringen, wie effizientes Arbeiten, bessere Entscheidungsgrundlage, Transparenz und Wirtschaftlichkeit. Was uns auch sehr wichtig bei der Einführung einer neuen PropTech Lösung ist, ist das Gründer-Team. Die Harmonie sowie eine ähnliche Vision müssen vorhanden sein, um gemeinsam voranschreiten. 

Daniel Paul: Ja auf jeden Fall. PropTechs versuchen Lösungen zu schaffen, welche in der Vergangenheit nicht existieren. Wir alle wissen, dass die Immobilienbranche ein Nachzügler bzgl. Digitalisierung ist und umso wichtiger ist es, dass hier ein Schritt voraus gemacht wird.  

Khaled Shukri: Hierbei kann ich mich nur anschließen. PropTechs haben zudem mehr Freiraum für neue Ideen und können diese umsetzen, außerhalb des operativen Tagesgeschäfts, d.h. auch ohne Druck. 

Prof. Dr. Verena Rock: Ja, die wesentlichen Treiber der Innovation und somit auch wesentlichen Influencer der PropTechs sind die jungen Mitarbeiter. Diese haben von Anfang an die IT-Affinität und können somit in Unternehmen die Sprachbarriere abbauen, welche leider immer noch zwischen Immobilienunternehmen und PropTechs besteht.

Daniel Paul: Auf jeden Fall IT-Affinität. Wir haben bei Incept in unserem Experten Team sowohl Mitarbeiter aus der Immobilienbranche, als auch aus digitalen Startups. Das Know-How aus beiden Fachbereichen ist die Grundlage für Entscheidungen. Hierbei müssen die Kollegen natürlich kommunikativ sein und miteinander arbeiten. Externe Partner haben wir so gut wie gar nicht. Eine Ausnahme gab es bei SharePoint. Hierbei haben wir uns extern beraten lassen. Grundsätzlich versuchen wir jedoch intern unsere Probleme zu lösen. 

Khaled Shukri: Die fachliche Kompetenz und das entsprechende Umfeld, sowie Offenheit und Risikofreudigkeit. Wir bei Incept nutzen keine externen Partner, aber wir hören uns um und versuchen uns über unser eigenes Blickfeld hinaus zu informieren und auszutauschen.

Daniel Paul: Ja das ist die Grundvoraussetzung für eine Veränderung. Das ist ja genau der Grund, wieso man nach eine neuer Lösung gesucht hat. Man möchte nicht mehr arbeiten wie in der Vergangenheit, sondern sich weiterentwickeln und effizienter, agiler und transparenter arbeiten. Bei uns wurden alle Prozesse analysiert und fast alle angepasst bzw. Verändert. Veränderungen bedeuten für Kollegen oftmals Mehraufwand und daher ist die Akzeptanz anfangs eher gering. Sobald diese jedoch merken, welche Vorteile sie dadurch haben, kann man auch diese überzeugen.

Khaled Shukri: Der Meinung bin ich auch. Prozesse müssen angeschaut und in den meisten Fällen optimiert werden. Bei uns gibt es jedoch auch einen individuellen Prozess, welcher direkt so digital abgebildet werden musste. Dies sind jedoch Ausnahmen.

Daniel Paul: Bisher sind wir mit unserer Entscheidung sehr zufrieden. Intern haben wir die bekannten Probleme, dass Kollegen ungern mit neuer Software arbeiten. Ich denke hier kann man auch deutlich sehen, dass vor allem jüngere Mitarbeiter offener und technisch affiner bzgl. neuer Lösungen sind. Daher würde ich sagen, dass die größte Herausforderung, bei der Einführung einer neuen PropTech Lösung, die älteren Kollegen davon zu überzeugen. Plant man jedoch das Onboarding gut, kann man diese Hürde auch überstehen. 

Khaled Shukri: Als Learning würde ich sagen, dass wir unterschätzt haben, wie hoch der Aufwand mit einer PropTech Partnerschaft mit sich bringt. Man schafft für gewisse Probleme Lösungen – muss jedoch auch darauf achten, diese miteinander wieder zu verzahnen, sodass die gesamte Systemarchitektur miteinander harmoniert. 

Daniel Paul: Im Vordergrund ist das kollaborative Arbeiten, welches wir sehr schätzen. Die Digitalisierung hilft uns in diesem Fall enorm bzgl. der Corona Pandemie (Homeoffice)  sowie dem ortsunabhängigen Arbeiten in Projekten. Ein ganz klarer weiterer Vorteil ist natürlich die Transparenz. Prozesse werden besser analysiert und somit können Schwachstellen erkannt und verbessert werden. Weitere Vorteile die sich dadurch ergeben sind bessere Unternehmenssteuerung, schnellere Prozesse und ganz wichtig die Mitarbeiterzufriedenheit. 

Khaled Shukri: Da die Daten digital abliegen, können detaillierte Analysen durchgeführt werden, welche letztendlich auch zu besseren Unternehmensentscheidungen führen. Die Zusammenarbeit wird auch enorm gestärkt, das alles nun digital abläuft und Daten einfacher mit Stakeholdern geteilt werden können. 

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