Digitale Tools, sinnstiftende Projekte und wertschätzende Kommunikation: Welche Erwartungen haben Absolventen und Young Professionals an ihren (potentiellen) Arbeitgeber? Darüber haben wir mit Prof. Dr. Verena Rock MRICS, Leiterin des Studiengangs Digitales Immobilienmanagement an der Technischen Hochschule Aschaffenburg, gesprochen. 

Prof. Verena Rock auf der Alascon: Die Alascon ist eine Online-Konferenz an der Schnittstelle zwischen Digital und Real Estate mit ProjektmanagerInnen im Mittelpunkt. Das digitale Event findet von 1. bis 3. Dezember 2020 statt und bringt die spannendsten Speaker aus der Digitalbranche mit den Vorreitern aus der Immobilienbranche zusammen auf eine digitalen Bühne. ProjektmanagerInnen nehmen kostenlos teil.

Erwartungen von AbsolventInnen an zukünftige Arbeitgeber in der Immobilienwirtschaft

Als Professorin im Bereich Immobilienmanagement sind Sie ganz nah dran am Nachwuchs der Branche. Was erwarten sich Berufseinsteiger und Young Professionals Ihrer Einschätzung nach von ihrem Arbeitgeber?
Sie möchten  eigene Ideen hinsichtlich Digitalisierung im Unternehmen umsetzen können. Wir haben gerade erst Anfang Oktober mit unserem neuen Studiengang losgelegt und ich habe schon die ersten Mails bekommen: “Hallo Frau Rock, ich habe die erste Geschäftsidee, finden Sie das gut?”  Die Studierenden kommen mit diesen Innovationsideen in der Immobilienwirtschaft an und erwarten, dass sie selbst mitgestalten können und gehört werden. Das zeigt auch die Studie, die kürzlich an unserem Institut IIWM durchgeführt wurde: Die Absolventen erwarten, dass man ihnen Verantwortung gibt. Wichtiger noch als die harten Fakten wie Gehalt, ist ihnen Wertschätzung. Und das hängt sehr stark mit der Kommunikation innerhalb eines Unternehmens und der Unternehmenskultur zusammen. 

Wenn es um den konkreten Arbeitsplatz und die Ausstattung geht: Auf was legen die Young Professionals von heute Wert? Welche Tools sind für sie unverzichtbar?
Eine moderne Büroausstattung, mit der sie sich auch hinsichtlich des Raumkonzeptes identifizieren können, ist wichtig. Interessanterweise hat eine Studie einer Hochschule in Berlin ergeben, dass junge Arbeitnehmer einen individuellen Arbeitsplatz bevorzugen. Desk Sharing scheint also gar nicht so “in” zu sein. Generell wird es aber immer wichtiger, dass man von Zuhause – oder auch an einem anderen Ort („Third Place“) – arbeiten kann. Was digitale Lösungen betrifft, ist allen bewusst, dass es noch ein langer Weg sein wird. Sie wünschen sich natürlich Softwarelösungen und Apps für alle Prozesse in allen Bereichen. Die Studierenden von heute sind Digital Natives: Sie erwarten eine intuitive Bedienung und geringe Fehleranfälligkeit, sodass sie sich auch wirklich auf die wichtigen strategischen Fragen ihrer Arbeit konzentrieren können.

Wie kann ein Immobilienunternehmen Young Professionals von sich überzeugen?
Als Arbeitnehmer möchten sie spannende, reale Projekte zum Anfassen. Sie wollen live sehen und mitentscheiden, woran gearbeitet wird. Projekte sollen aus ihrer Sicht nicht nur wirtschaftlich tragfähig, sondern auch sinnstiftend sein. Denn die jüngere Generation achtet vielmehr darauf, ob Projekte nachhaltig konzipiert und auch soziale Kriterien berücksichtigt werden. Diese Ausrichtung ist viel wichtiger als große Namen. Wenn ein Projektentwickler nach außen trägt, welche Projekte er umsetzt, was der Sinn und Impact dahinter ist und gleichzeitig Einblicke in die Unternehmenskultur und Team gibt – das sind Signale und Werte, auf die Berufseinsteiger achten. Die Bedeutung von ESG und Nachhaltigkeit steigt auch immer mehr – nicht nur im Rahmen der Projektentwicklung.

„Die jüngere Generation achtet vielmehr darauf, ob Projekte nachhaltig konzipiert und auch soziale Kriterien berücksichtigt werden. Diese Ausrichtung ist für sie bei der Wahl eines Arbeitgebers viel wichtiger als große Namen.“

Aktuelle Herausforderungen für Immobilienunternehmen im Recruiting

Was sind aktuelle Herausforderungen im Recruiting von qualifizierten Nachwuchskräften? 
Die größte Herausforderung in den letzten Jahren war, dass zu wenig qualifizierte Leute für die Masse an offenen Stellen am Markt waren. Hier versuchen wir beispielsweise im Bereich Digitalisierung/Immobilienwirtschaft mit unserem Studiengang eine Lücke zu schließen. Andererseits waren Stellen offen, die mit der Ausbildung und den von ihnen bevorzugten Jobprofilen schwer abzudecken waren. Noch immer entscheiden sich zu wenig junge Leute für technische Studiengänge wie bspw. Bauingenieurwesen. So kommen diese Berufe dementsprechend auch nicht am Arbeitsmarkt an. Viele Hochschulen rüsten deswegen im Bereich technisches Immobilienmanagement gerade Kompetenzfelder auf. 

Wie attraktiv sind PropTechs als Arbeitgeber für Studierende?
Inhaltlich sind PropTechs sehr attraktiv. Sie verkörpern den Startup-Charakter und Innovation. Jeden Tag passiert Tag etwas Neues. Als Studierender stellt man sich vor, dass es flache Hierarchien gibt, man schnell Verantwortung übernehmen kann und wirklich etwas bewegen kann. Bereits jetzt arbeiten einige ehemalige Studierende unserer Hochschule bei PropTechs oder haben selbst eines gegründet. Deren Anzahl wird sicher mit dem neuen Studiengang deutlich zunehmen.

Digitales Immobilienmanagement: Vom Lehrbuch in die Praxis

Frau Prof. Rock, im Oktober ist Ihr neuer Studiengang “Digitales Immobilienmanagement” gestartet. Wie kam es zur Gründung? 
Seit 2015 loben wir zusammen mit dem Accelerator Blackprint Booster einen Wettbewerb aus, um die Studierenden zur Entwicklung digitaler Geschäftsmodelle zu motivieren. Dadurch wurde schnell sichtbar, wo ungenutztes Potenzial vorhanden ist. So ist die Idee für diesen Studiengang an der Schnittstelle zwischen Immobilienwirtschaft und Digitalisierung entstanden. Uns ist wichtig, neue Kompetenzen im Bereich Digitalisierung, IT und Technologie zu vermitteln – immer mit der Anwendbarkeit in der Immobilienwirtschaft im Fokus. Unsere Studierenden werden Manager, die genau wissen, welche Technologien in den unterschiedlichen Wertschöpfungsstufen der Immobilienwirtschaft genutzt werden können. Wir am Institut sind überzeugt, dass hier ein großer Personalbedarf in der Immobilienbranche vorhanden ist.

“Unsere Studierenden werden Manager, die genau wissen, welche Technologien in den unterschiedlichen Wertschöpfungsstufen der Immobilienwirtschaft genutzt werden können.”

Welche Rolle spielt digitales Arbeiten und neue Tools im Lehrplan?
Wir vermitteln einerseits die klassische betriebs- und immobilienwirtschaftliche fundierte Theorie, bieten aber immer auch direkt eine praktische, technologieorientierte Anwendungsmöglichkeit. Unterschiedliche Anbieter stellen uns ihre Software zur Verfügung, sodass die Studierenden etwa im Rechnungswesen, Bauprojektmanagement, Asset oder Investment Management direkt mit den passenden Tools arbeiten können. Wir lehren also möglichst anwendungsorientiert. So sind unsere AbsolventInnen bestmöglich für die Immobilenbranche von morgen vorbereitet. 

Prof. Dr. Verena Rock MRICS

Prof. Dr. Verena Rock MRICS, ist seit 2010 Professorin für Immobilieninvestment und -portfoliomanagement an der Technischen Hochschule Aschaffenburg. Dort hat sie den Masterstudiengang Immobilienmanagement aufgebaut, leitet das Institut für Immobilienwirtschaft und -management und den neuen Studiengang Digitales Immobilienmanagement. Sie fördert u.a. in einem Gründerwettbewerb die Entwicklung innovativer, digitaler immobilienwirtschaftlicher Geschäftsideen ihrer Studierenden. Weiterhin ist Verena Rock Vorstandmitglied in der gif e.V. und Mitglied des Advisory Boards der RICS Deutschland.

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