Ein Blick auf einen Markt, der zehn Jahre boomte: Prof. Dr. Verena Rock stellt sich die Frage, was passiert jetzt? Seit fünf Jahren verfolgt sie die Zusammenarbeit von etablierten Immobilienunternehmen und PropTechs. Etablierte Immobilienunternehmen und PropTechs treffen aufeinander, in einem bisher stabilen Markt, der mehr und mehr durchdrungen wird von innovativen, teils disruptiven Ideen.

Wie die ideale Kooperation aussieht und welche Voraussetzungen für die erfolgreiche Umsetzung einer Digitalisierungsstrategie nötig sind: Die 4 Lessons learnt für Immobilienunternehmen erfahren Sie in diesem Blogbeitrag und in der Videoaufzeichnung des Alascon Talks.

“Die Voraussetzung für eine Digitalisierungsstrategie ist, intern eine Prozessexzellenz zu erreichen.”

4 Tipps für die erfolgreiche Digitalisierungsstrategie

1. Datenverfügbarkeit, Datenqualität und Datenquantität

Die Einführung von PropTech Lösungen gelingt besser und einfacher, wenn vonseiten des Unternehmens Zugriff auf die benötigten Daten quantitativ als auch qualitativ gewährt wird (zum kostenlosen Whitepaper ‚Daten intelligent nutzen‘).

2. Effizienzgewinne mitgestalten

“Mittlerweile hat man verstanden, wie die Sprache der jeweils anderen Seite ist.”

Prozesse und Daten sind eng miteinander verknüpft: Der Mehrwert digitaler Lösungen wird erst durch das Bewusstsein für Datennutzung Prozessen greifbarer. Indem Daten nutzbar gemacht werden und bestehende Prozesse hinterfragt werden, können auch etablierte Unternehmen großen Einfluss auf die Wirksamkeit neuer Lösungen nehmen.

3. Produkt- und Prozessexzellenz

Die wichtigste Voraussetzung für die erfolgreiche Umsetzung der Digitalisierungsstrategie ist, zunächst intern eine Prozessexzellenz zu erreichen. Dabei gilt es, bestehende Prozesse nicht nur direkt vom Analogen ins Digitale zu übertragen, sondern Prozesse tiefergehend zu analysieren und gegebenenfalls zu optimieren. Und so in die Zusammenarbeit mit einem PropTech bereits mit klaren und transparenten Strukturen und Prozessen zu starten.

4. Ausbildung mit immobilienwirtschaftlicher und digitaler Exzellenz

Studiengänge mit digitalem und immobilienwirtschaftlichen Fokus, bilden die Nachwuchskräfte für etablierte Unternehmen und PropTechs aus. Hier wird bereits in der Ausbildung digitale Exzellenz gefördert. In Unternehmen kann ein zielgerichtetes Fortbildungsprogramm für Mitarbeiter digitale Exzellenz in der Belegschaft etablieren.

Q&A mit Verena Rock

In der Alascon Session teilte Verena Rock aktuelle wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Zusammenarbeit von Immobilienunternehmen und Startups. In diesem Zuge hielt sie auch konkrete Tipps für Projektmanager bereit.

Ganz wichtig: Die richtige Sprache sprechen mit Blick auf den konkreten Effizienzgewinn und ‚echten‘ Mehrwert. Wie lassen sich tatsächliche Verbesserungen in KPIs transferieren, die durch die Zusammenarbeit mit dem PropTech erzielt werden. Dahinter kann sich mehr als reine Zeitersparnis und reine Kostensenkung verbergen. 

Meist ist es hilfreich, wenn es die Position Head of Innovation oder besser Head of Digitization gibt. Im Idealfall gibt es einen CDO (Chief Digital Officer) auf C-Level, der die notwendige Entscheidungskompetenz hat, um eine Digitalstrategie und die Zusammenarbeit mit PropTechs anzustoßen und umzusetzen. Ein reines Top-Down-Digitalisieren reicht jedoch meiner Meinung nach nicht aus; auch Bottom-Up aus den Fachabteilungen kommen oft gute innovative Digitalideen, die in der Digitalstrategie und in PropTech-Projekten berücksichtigt werden sollten.

Die Immobilienwirtschaft sollte ihre Hausaufgaben machen, Immobilienunternehmen ihre eigenen Daten aufbereiten, strukturieren und vereinheitlichen. Und diese Daten den PropTechs auch im Projekt zur Verfügung stellen. Ebenso wird die Heterogenität und Komplexität der Immobilienwirtschaft für PropTechs greifbarer, wenn Prozesse transparent und schon im Ist klar strukturiert sind. Wenn PropTechs auf dieser Basis arbeiten können, wird der Markteintritt leichter und es entsteht schneller ein echter Mehrwert für den Kunden.

Es ist eine Mischung aus beidem: Wir legen sehr viel Wert darauf, dass die Studierenden eine gute Immobilienbasis bekommen, die ist an der TH Aschaffenburg betriebswirtschaftlich und rechtlich aufgebaut. Dazu kommen viele Elemente aus dem Bereich Digitalisierung, aus dem Bereich agile Arbeitsmethoden. Auch Programmieren ist ein Bestandteil. Ein wichtiger Teil, um zu verstehen, was können denn Technologien, um einen Mehrwert in die Prozesse der Immobilienwirtschaft zu bringen. (zum vollständigen Interview: Verena Rock über die Erwartungen und Skills von Young Professionals)

Ich sehe nicht, dass PropTechs als Arbeitgeber unbeliebter sind. Es ist bei Young Professionals eine Typfrage, ob sie einen der ersten Jobs in einem digitalen, kreativeren und meist mit mehr Eigenverantwortung ausgestatteten Umfeld beginnen oder auf der klassischen Karriereleiter etablierter Immobilienunternehmen mit klar definierten Karrierestufen. Nicht jeder ist ein Unternehmertyp und möchte schon früh mitgestalten, sondern eventuell erst einmal Sicherheit und fixe Vergütung in klassischen Strukturen. Gehaltsstrukturen sind also gegebenenfall unterschiedlich; hier kann man aber durch flexible Incentives bei PropTechs einiges tun. Wir an der Hochschule fördern, dass sich junge Absolventen für PropTech Jobs interessieren, indem wir ihnen schon im Studium spannende PropTech-Projekte mit Impact, Role Models und konkrete Arbeitsfelder aufzeigen.

Prof. Dr. Verena Rock MRICSProf. Dr. Verena Rock MRICS, ist seit 2010 Professorin für Immobilieninvestment und -portfoliomanagement an der Technischen Hochschule Aschaffenburg. Dort hat sie den Masterstudiengang Immobilienmanagement aufgebaut, leitet das Institut für Immobilienwirtschaft und -management und den neuen Studiengang Digitales Immobilienmanagement. Sie fördert u.a. in einem Gründerwettbewerb die Entwicklung innovativer, digitaler immobilienwirtschaftlicher Geschäftsideen ihrer Studierenden. Weiterhin ist Verena Rock Vorstandmitglied in der gif e.V. und Mitglied des Advisory Boards der RICS Deutschland.

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